Funktionsweise: AeroPress
Die AeroPress wurde von Alan Adler entwickelt, einem pensionierten Ingenieur und Dozenten der Stanford University, der zuvor bereits mit der Aerobie den weitesten je geworfenen Wurfring erfunden hatte. Ab 2004 experimentierte Adler in seiner Garage mit einem Gerät, das Kaffee weniger sauer und bitter machen und gleichzeitig mehr Kontrolle über die Brühparameter erlauben sollte; offiziell vorgestellt wurde die AeroPress im November 2005 auf der CoffeeFest-Fachmesse in Seattle, zunächst über Adlers bestehende Firma Aerobie Inc. Technisch handelt es sich um eine Hybridmethode: In einer durchsichtigen Zylinderkammer wird der Kaffee mit heißem Wasser aufgegossen und kurz gezogen, bevor er über einen Kolben mit luftdichter Silikondichtung durch einen Papier- oder Metallfilter im Schraubaufsatz gepresst wird. Die Kombination aus kurzer Immersionsphase und anschließendem Druckaufbau macht die AeroPress zu einer der vielseitigsten Zubereitungsmethoden überhaupt, seit 2008 gibt es mit der World AeroPress Championship sogar einen eigenen internationalen Wettbewerb rund um die Methode, der 2018 bereits über 3.100 Teilnehmende aus 61 Ländern zählte.
Ursprünglich vertrieb Adler die AeroPress über seine bestehende Firma Aerobie Inc., 2017 erwarb der kanadische Spielwarenkonzern Spin Master die Markenrechte an Aerobie, woraufhin das Kaffeegeschäft als eigenständiges Unternehmen AeroPress, Inc. ausgegliedert wurde; seit August 2021 hält die kanadische Beteiligungsgesellschaft Tiny Capital die Mehrheit daran. Auch das verwendete Material hat sich über die Jahre verändert: Die frühen Modelle bestanden aus durchsichtigem Polycarbonat, 2009 wechselte man zu BPA-freiem Copolyester und 2014 zu Polypropylen; seit 2023 kommen bei den transparenten Modellen wieder Copolyester-Kunststoffe vom Typ Tritan zum Einsatz. 2019 ergänzte AeroPress Go, eine kompaktere, reisetaugliche Variante mit integriertem Trinkbecher, das Sortiment.
Geschmacksbild dieser Methode
Weil der Kaffee zunächst kurz im Wasser zieht, bevor er unter Druck durch den Filter gepresst wird, entstehen Tassen, die tendenziell etwas voller und süßer wirken als klassischer Handfilterkaffee, ohne dabei so viel Körper wie eine French Press zu transportieren – der Papierfilter hält weiterhin den Großteil der Öle und Feinstpartikel zurück. Die kurze Kontaktzeit und die niedrigere Wassertemperatur im Vergleich zu klassischen Filtermethoden sorgen zudem für ein sanfteres Säurebild, weshalb die AeroPress oft als besonders "verzeihende" Methode für sehr helle oder sehr säurebetonte Kaffees gilt. Bitterkeit bleibt bei korrekter Anwendung gering, kann bei zu langer Ziehzeit oder zu feinem Mahlgrad aber schneller entstehen als beim V60.
Steckbrief AeroPress:
Kategorie: Hybridmethode (Druck & Filter)
Herkunft: USA (Aerobie Inc. / seit 2017 AeroPress, Inc.)
Empfohlener Mahlgrad: Mittelfein bis fein, je nach Rezept
Hersteller: Alan Adler / AeroPress, Inc., USA (Markteinführung November 2005)
Zubereitung Schritt für Schritt
- Verhältnis: Ein gängiges Standardrezept nutzt 14–17 g Kaffee auf etwa 200–220 ml Wasser.
- Mahlgrad: Mittelfein bis fein, deutlich feiner als beim V60.
- Wassertemperatur: Rund 80–92 °C – bewusst niedriger als bei klassischen Filtermethoden, was die Säure zusätzlich abmildert.
- Ziehzeit: Insgesamt etwa 1–2 Minuten Kontaktzeit zwischen Kaffee und Wasser, je nach gewünschter Stärke.
- Pressen: Anschließend wird der Kolben über etwa 20–30 Sekunden gleichmäßig durchgedrückt, bis ein zischendes Geräusch das Ende der Flüssigkeit anzeigt.
- Varianten: Viele Nutzer bevorzugen die sogenannte "umgedrehte" (inverted) Methode, bei der die AeroPress zunächst kopfüber zusammengesetzt wird, um die Ziehzeit unabhängiger von der Filterentleerung steuern zu können.
Wie groß die Bandbreite möglicher Rezepte ist, zeigt die World AeroPress Championship: Dort treten Teilnehmende mit selbst entwickelten Rezepten gegeneinander an, die von einer Jury blind – also ohne Kenntnis der genauen Parameter – nach Geschmack bewertet werden, nicht nach Einhaltung eines Standardrezepts. Für unterwegs bietet AeroPress seit 2019 mit der AeroPress Go zudem eine kompaktere Variante mit integriertem Trinkbecher an, daneben existieren mit AeroPress XL und AeroPress Steel Varianten für größere Mengen beziehungsweise aus Edelstahl.
Welche Bohnen passen zur AeroPress
- Coffee Circle Yirgacheffe: Die milde, süße Fruchtigkeit dieses äthiopischen Kaffees harmoniert gut mit der etwas volleren, weicheren Tasse der AeroPress.
- The Barn Gatomboya AA: Bei diesem intensiven kenianischen Kaffee zeigt die AeroPress ihre Grenzen etwas deutlicher – unser Kombinationstest geht im Detail darauf ein, warum die für Kenia typische, sirupartige Textur dabei etwas verloren geht.
Im Vergleich zum Hario V60 ist die AeroPress insgesamt nachsichtiger gegenüber Fehlern beim Mahlgrad oder der Aufgusstechnik, liefert dafür aber eine etwas weniger klare, dafür rundere und süßere Tasse. Wegen ihrer kompakten Bauweise, dem geringen Gewicht und der robusten Machart gilt sie zudem als eine der reisetauglichsten Zubereitungsmethoden überhaupt und wird entsprechend häufig für Camping, Büro oder Urlaub empfohlen – ein Bereich, in dem ein empfindlicherer Glas- oder Keramikfilter wie der V60 naturgemäß im Nachteil ist.
Geschmacksprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der eigenen Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Kaffees bzw. Methoden.